Heinrich Zille - Berlin
Heinrich Rudolf Zille wurde am 10. Januar 1858 in Radeburg geboren. Er war ein begnadeter Zeichner, Grafiker, Lithograph und Fotograf.
Bedeutende
Künstler seiner Zeit, wie Käthe Kollwitz und Max Liebermann, haben sehr
früh seine ganz besonderen, oft selbst angeeigneten künstlerischen
Fähigkeiten erkannt.In seiner Kunst bevorzugte der von den Berlinern „Pinselheinrich“ genannte Zille, Themen aus dem Berliner „Milljöh“, das er ebenso lokalpatriotisch wie sozialkritisch darstellte – seine Figuren und Szenen stammten vornehmlich aus der sozialen Unterschicht, den "Randgruppen" und aus dem Leben in den Berliner Mietskasernen. Das für Zilles tiefsinnigen und sozialkritischen Zeichnungen, oft ignorante Bürgertum bezog er jedoch stets in seine Betrachtungen und Darstellungen mit ein.
Die Zeitschrift „Eulenspiegel“ entsteht aus der Zusammenarbeit
von Wilhelm Münzenberg und Heinrich Zille. Der schon damals sehr populäre Heinrich Zille fungierte als
Mitbegründer der Zeitschrift und veröffentlichte regelmäßig
sowohl tagespolitisch akzentuierte Beiträge als auch humorvolle
Zeichnungen aus dem Berliner Hinterhofmilieu. Der Berliner Maler Otto Nagel, bis Oktober 1931 Herausgeber und
Schriftleiter, war maßgeblich verantwortlich für die Gestaltung des
„Eulenspiegels“ und soll hier ausdrücklich benannt werden. Er lieferte selbst zwar nur wenige eigene
Bildbeiträge, doch der Umbruch sowie die Auswahl der Zeichnungen und
nach dem Ausscheiden Reimanns der Textbeiträge lagen in seiner Hand.
Einige seiner persönlichen Freunde konnte er zur Mitarbeit bewegen:
So gewann er den sozialdemokratischen Kunsttheoretiker Adolf Behne,
für die Reihe „Künstler des Proletariats“. Käthe Kollwitz und
Erich Weinert gehörten ebenfalls zu Nagels persönlichem
Bekanntenkreis.
Das photographisches Spektrum von Heinrich Zille wurde erst viel später der Öffentlichkeit zugänglich und überraschte auch deshalb ganz besonders. Seine Photos, die manchmal nur noch auf Kontaktbögen erhalten sind, sprechen wie seine Bilder eine beeindruckende Sprache.
Heinrich Zille bildete mit dem Medium Photographie auf eine neue Art und Weise das harte Leben der Arbeiterfamilien ab und nutzte nachgewiesener Weise seine Photographien auch als Grundlage für seine sozialkritischen Zeichnungen.
Am 09. August 1929 verstarb Heinrich Zille in Berlin. Unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung wurde er auf dem Waldfriedhof in Stahnsdorf beigesetzt.
Heinrich Zille ist als ein Berliner Original weithin bekannt. Am 10. Januar 2008, zu seinem 150. Geburtstag, wurden Ihm zu Ehren in Berlin und an verschiedenen Orten Deutschlands Ausstellungen, Veranstaltungen und workshops durchgeführt.
Im Berliner Nikolaiviertel befindet sich das Heinrich-Zille-Museum, mit einer sehr empfehlenswerten Dauerausstellung.
Literaturangaben:
- Gerhard Flügge, Margarethe Köhler-Zille, "Heinrich Zille - Berlin aus meiner Bildermappe", Greifenverlag Rudolstadt, 1969/1972,
- Enno Kaufhold, " Heinrich Zille - Photograph der Moderne", Verzeichnis des photographischen Nachlasses, Schirmer/Mosel, Berlinische Galerie, 1995
- "Das Zille Buch", Herausgegeben von Hans Ostwald unter Mitarbeit von Heinrich Zille, Paul Franke Verlag, Inh. Paul Franke & Rudolph Henßel G.m.b.H. Berlin, 1929
- Otto Nagel, "H.Zille", Veröffentlichung der Deutschen Akademie der Künste, Henschelverlag Berlin, 1959
„ … es gibt noch einen dritten Zille, und dieser ist mir der liebste: Der ist weder Humorist für Witzblätter noch Satiriker. Er ist restlos Künstler. Ein paar Linien, ein paar Striche, ein wenig Farbe mitunter – und es sind Meisterwerke.“
Käthe Kollwitz